Neues in der Kategorie Philosophy

Gott Will Es!

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Hinweg von mir mit dem Geplärre deiner Lieder; das Rauschen deiner Harfen mag ich nicht hören!
- Amos
Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhause!
- Jesus

Ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll, und wie ich meine Gedanken dazu gliedern soll. Ich fange vielleicht mal beim temporalen Startpunkt an: Ich sah heute, als ich mit der S-Bahn fuhr, das folgende Plakat - es hat leider ein paar schlieren, da ich es durch eine verregnete Scheibe fotografierte:


Eine Googlesuche ergab: Nicht nur mir fiel dieses Plakat auf.

Die GEMA meint, ohne Komponisten können wir nicht mit Gott singen. Als "Beweis" dieser Behauptung führt sie ausgerechnet "Von guten Mächten" an, weil sie wohl weiß, dass dieses Lied vielen Christen gefällt, und gerne gespielt wird. Ich weiß nicht, ob die GEMA für das Spielen dieses Liedes und etwaiger anderer Lieder die ihr gehören in Gottesdiensten Geld bekommt, oder ob gar die Kirchen einen Pauschalvertrag mit der GEMA haben, dieses PDF lässt auf Letzteres schließen, aber ich habe es nicht ganz durchgelesen. Daran ist nichts auszusetzen, die Kirche hat sich an Gesetze zu halten. Was aber Vielen vielleicht garnicht bewusst ist, ist die unmittelbare Konsequenz daraus: die GEMA verdient damit zumindest indirekt an Gottesdiensten. Und an Beerdigungen, Hochzeiten, und und und. Und zumindest wenn man den allgemeinen Berichten glauben schenkt dürfte es auch im Wesentlichen die GEMA sein, und weniger die Komponisten selbst, aber diesen Fakt kann ich nicht nachprüfen.

Die Botschaft ist jedenfalls klar: Ohne die GEMA gäbe es keine Komponisten, und ohne die gäbe es keine Gottesdienste. Billigste Propaganda, die auf die religiösen Gefühle der Bevölkerung abzielen. Ich möchte bewusst auf die schwierige moralische Bewertung des Themenkomplexes Urheberrecht verzichten. Auch Parallelen zum Ablasshandel möchte ich mir jetzt verkneifen. Man kann über Verwertungsgesellschaften denken wie man will, diese Art von Propaganda ist in jedem Falle unterste Schublade. Da sind mir koranverteilende Muslime unbegrenzt lieber, haben sie doch wenigstens die ehrliche Aufforderung "LIES!" - die Aufforderung der GEMA liest sich eher "ZAHL! Gott will es!".

"Musik ist uns was wert", so der Slogan der GEMA. Dazu gehören meinem Eindruck nach vor Allem Abmahnungen und Verwaltungskosten, und Kosten für propagandistische Werbeplakate.

Nun haben es die Kirchen ja wirklich nicht leicht in letzter Zeit. Ist die Piratenpartei (gegen deren Bewegung sich die Werbeaktion der GEMA wohl primär richten dürfte), die momentan am schnellsten wachsende Partei, an der sich schon die etablierten Regierungsparteien die Zähne ausbeißen, doch für eine stärkere Säkularisierung und hat damit erfolg. Und so kann ich mir vorstellen, dass es einige Christen gibt, die mehr oder weniger unreflektiert gegen Selbige sind (Ich bin ja der Meinung, fortschreitende Säkularisierung tut den Kirchen auf lange Sicht hin gut, aber darum soll es mir hier garnicht gehen.)

Trotzdem hoffe ich, dass die Kirchen sich hier nicht instrumentalisieren lassen, und sich öffentlich davon distanzieren.



Zeitschrift "Das Parlament" zum Tierschutz

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Auf der Seite des Bundestages gibt es Texte, die offenbar als Beilage der Zeitschrift "Das Parlament" gedruckt wurden, und sich mit dem Themenkomplex Tierschutz in unserer Gesellschaft befasst. Weder war mir diese Zeitschrift bisher bekannt, noch habe ich alle Texte ganz durchgelesen, es scheint aber generell interessant zu sein. Außerdem finde ich es gut, dass das Thema inzwischen in der Gesellschaft angekommen ist.

Inwieweit allerdings solche Diskussionen auf halbwegs hohem Niveau sinnvoll sind, ist natürlich fraglich, denn letztlich werden die moralischen Entscheidungen die der Gesellschaft am Ende per Gesetz aufgezwungen werden auf Stammtischen entschieden.

Ich las vor Allem einen eher Tierrechtskritischen Artikel, "Das Bein in meiner Küche". In ihm wird die Position vertreten, dass eine Gleichbehandlung von Menschen und Tieren menschenfeindlich sei, und dass der Zusammenhalt von Menschen als solcher nicht durch deren biologische Verwandtschaft, sondern durch deren gesellschaftliche Bindungen gerechtfertigt ist, weshalb auch Haustiere wie Hunde in dieser Gesellschaft eine gewisse Sonderstellung haben, trotz des Fehlens einer biologischen Verwandtschaft, weil sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Ich teile beide Meinungen natürlich nicht, aber mir ist ungefähr klar, wie der Autor zu seiner Gesinnung kommt - daran sind auch inhaltliche Fehler und Denkfehler beteiligt. Der Autor kann sich zum Beispiel nicht vorstellen, dass man aus einem brennenden Haus zuerst ein Tier rettet, und dann erst einen Menschen - ich hingegen hoffe einfach, dass ich niemals in die Situation kommen werde, mich zwischen zwei Leben entscheiden zu müssen. Ich wüsste nicht, ob ich einen Serienmörder eher retten würde, als einen Minensuchhund.

Letztendlich ist eine Begründung der Bevorzugung des Menschen durch gesellschaftliche Bindungen auch wieder ein Problem, denn es gibt auch genügend Menschen, die nicht an der menschlichen Gesellschaft teilnehmen, vor Allem Schwerbehinderte, oder schlichtweg Außenseiter.

Wir haben hier die Schwierigkeit, dass es sich um menschliche Moralvorstellungen handelt, die durch die Umstände nicht unbedingt begünstigt werden. Wir müssen töten um zu leben, ob es nun Tiere oder Pflanzen sind. Die ganze belebte Natur ist eigentlich ein einziges fressen und gefressen werden. Wir haben das Bedürfnis, uns darüber hinwegzusetzen, doch die Natur macht es uns nicht leicht, dafür einen sinnvollen Rahmen zu finden. Man würde gerne irgendwo die Grenze ziehen, und hätte gerne eine intuitive Begründung dafür, das Finden einer solchen Begründung zu einer gezogegen Grenze hält aber selten einer Hinterfragung stand. Wir wollen nicht einfach "Mensch sein" als moralisch sinnvolles Maß akzeptieren, aber außer der für uns nicht befriedigenden Ähnlichkeit der Erbinformationen gibt es nicht viel was alle Menschen gemeinsam haben - nicht den Verstand, nicht das gesellschaftliche Leben, noch nicht einmal das anthropomorphe Aussehen. Es gibt nahezu beliebig starke Ausreißer (die man meistens im Spektrum schwerer Krankheiten findet), denen wir aber ebenfalls Menschenrechte zuweisen wollen. Wir möchten "Leidensfähigkeit" als Maß nehmen, aber was ist Leid?

Wir werden uns in Zukunft voraussichtlich noch größeren Problemen zu stellen haben. Noch vor Jahrzehnten war es unvorstellbar, dass man Erbinformationen zwischen Lebewesen übertragen kann, oder gar künstlich herstellen kann. Wer weiß ob man irgendwann das reine "Retortenbaby" zumindest theoretisch herstellen kann. Oder zumindest den nicht von einem Menschen zu unterscheidenden Androiden. Dann wird selbst unser Begriff von "Leben" relativiert, wie einst unser Begriff von Menschlichkeit.

On Vegetarism (again)

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I am a vegetarian. I blogged about that in former blog posts, especially on my old blog. In the past, I used to explain the people about my feelings and opinions about meat. Meanwhile I am more careful with whom I tell that, not because I respect the decision of a person to eat meat in any way (I would probably sign a law that forbids eating meat immediately), but because I am tired of discussing, and I did not hear a single point which I did not know before, for years. Also, I am not vegan (yet).

However, of course, when there is dinner somewhere, I sometimes have to ask whether something contains meat. And more than one time I had to endure stupid comments from carnivores around me. To me, some people seemed to feel attacked when they see a vegetarian. Some psychological study now claims to prove this (however, I do not have access to the actual study).

I can understand that somehow. Vegetarism is morally superior, and people do not feel good about that. I can remember times when I thought that veganism was exaggerated - or at least I thought that I thought this. I actually always knew that veganism is morally superior to vegetarism, and I tried to be vegan, but I could not achieve that goal so far. I also think that frutarianism is morally superior, but I think that the world is not ready for that radical form of nutrition yet - which does not lower the honor I assign to people doing this.

Unfall beim Schlachten

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List man auch nicht jeden Tag: Schwein ersticht Mann.

Kurzgefasst: Rumänien, illegales Schlachtfest, Schwein wehrt sich, tritt Mann mit Messer in der Hand und rammt ihm dieses in den Hals. Mann Tot.

Von einem "tragischen" Ende ist in dem Artikel die Rede. Tragisch ist meiner Meinung nach hier nur, dass solche Advents-Schlachtfeste überhaupt noch stattfinden, dass man Tieren nicht einmal eine EU-Genormte Schlachtung zugesteht.

Welches Schw Wer am Ende abgestochen wird ist mir dabei allerdings einerlei.

Influenza

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Preimplantation genetic diagnosis

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Source: krautchan.net

Kreationismus in Deutschland

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Pierre Vogel, seinerseits zum erlesenen Kreis der Personen von einer Relevanz von mindestens der Relevanz von Bauchnabelfusseln dem auch Astrid Herbold und Felix von Leitner angehören gehörend, teilt sein großes Wissen zum Thema Kreationismus mit uns.

Es sei zum Beispiel ein Fakt, dass Tiere von unterschiedlichen Arten keine zeugungsfähigen Nachkommen produzieren können, man sehe sich nur an was aus Eseln und Pferden entsteht. Eine tiefe Erkenntnis, der man vielleicht entnehmen kann, dass er Wikipedia gelesen hat.

Es könne auch keiner beantworten, wie aus unbelebter Materie belebte Materie entstanden ist, ganz besonders nicht das Experiment von Stanley Miller.

Und überhaupt, Antilopen die ihren Hals strecken werden nicht zu Giraffen.

Dafür sei es andererseits normal dass man auf seine Schwester steht, und es ist auch völlig nachvollziehbar dass Gott anstatt gleich mehrere Menschen herzustellen lieber zwei Menschen schafft, deren Nachkommen dann fröhlich Inzest betreiben, um später den Menschen die freie Liebe und den Inzest wieder per Scharia zu verbieten. Das ist viel plausibler. Welches intelligente Wesen würde nicht genauso handeln? Ist ja auch viel lustiger wenn die sich immer wieder mal gegenseitig steinigen.

Ich freue mich auf die kognitive Dissonanz diverser politischer Gruppen, sollten sie sich dereinst damit auseinandersetzen müssen, und damit erkennen, wie ähnlich sie doch dem fundamentalistischen Islam sind. Erfahrungsgemäß wird es aber am Ende so sein dass sich das Schlechteste beider Kulturen durchsetzt.

Fundamentalist Atheism can be Evil

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Will God heal amputees? Will God influence dice rolls? Does God have an influence on the world? Does God exist at all?


Source: krautchan
Questions many people thought about. Questions that people answer differently, depending on their social state, scientific and religious education, ethnicity, and whatever else. Scientifically speaking, there is no evidence proving God's existance. Logically speaking, God is not even an entity to talk about, since there is no definition of what "God" is, and all the fuss about it shows that it is much too unintuitive to be an axiomatic concept. Historically, there is evidence that if the God existet, he must be evil in some sense, or at least not really caring.

I guess we all got that. Everyone who wants to know this knows this, and everyone not knowing is probably better off not knowing. If you tell them more, maybe a few more people will change their minds, but most people will stay as they are - if people change their mind, then mostly because of personal fate. Even if you push harder, this is going to change nothing. If you have a video tape that shows Jesus being called so by known representatives at that time, being crucified and then buried without reviving, this will not change their minds. Because belief is nothing rational, and therefore, nothing that behaves logically. Either you believe or not - that is your decision, but this decision is seldom based on evidence, it is based on fate.

Now, belief can be used to manipulate you, there is absolutely no doubt about that. But not only belief in a God, also belief in an idea (socialism, social darwinism, war on terrorism, patriotism, harmfulness of thc, ...). I expressed my opinion on that before, and I can summarize it: The world will not become a better place just because we abolish theism.

I do not see any evidence for that. The big theistic corporations and the little theistic groups may have done or still be doing things that make the world worse. But if you abolish theism, you will not only lose these, but also the many theistic corporations and groups that make the world a better place by caring about the poor and sick. However, you will still have the plenty of atheistic groups, making the world a worse place in the name of some idea, which also exist.

To make it possible that one idea that turns out to be bad will not rule us forever, we have freedom of belief, conscience and speech, so we can tell people what is wrong and has to be done better. This does not always work flawless, but you cannot exchange a moral system in twenty years - it sometimes takes centuries, like it or not.

So we can discuss, troll and insult each other for their beliefs - theistic or not - and this can be fun, and it might be important to some extent. At least there seems to be some use of a discourse for the society. And in the end, it seems to me that the winner is mostly the one who becomes evil in the right moment.

Ok, too much said about that already. Now, I have got a link on this video (via). A video trying to explain people that prayers are a delusion.

Firstly of course, this video does not explain anything - it is rather naive. Science on "supernatural" phenomena is hard, since some paranormal activity is really hard to explain. Especially, paranormal activity had its own "evolution", you simply cannot puzzle modern people by as much as you could one century ago, and thus, the modern paranormal activity often has effects that take a lot of research to explain, and often the phenomenon cannot even be easily reproduced, such that some explanations are rather vague - they often reach the current practical limits of science.

The major part of our brain is not really understood yet, but we already know that even minimal amounts of chemicals and even electromagnetic waves may influence our behaviour. The placebo effect is only partially understood, as far as I know. But in the end, recently, a bioinformatics studend said to me, when talking about psychosomatic allergical reactions, which can be as bad as "real" allergical reactions, that allergies are triggered by a chemical reaction. And a thought is also a chemical reaction. So why should a psychosomatic allergical reaction be something less severe than a "real" allergical reaction.

There is so much truth in this. It gives a clearer view on everything!  In the end, the same holds for the placebo effect (psychosomatic allergical reactions are a sort of placebo effect, I think) - the belief in a medication is a chemical reaction in the brain, which influences other chemical reactions. And the belief in a prayer may do the same. Just to summarize this: Prayers may help people who believe in it.

And - honestly - who is not willing to believe in them, if he is desperate enough?

So we have seen the advantages. Now, what are the disadvantages of prayers? They may make people think that they can influence things they cannot. They may make people think to have done something good, even though they just prayed for somebody else, quietly. But an usual prayer takes a few minutes - at most, mostly it just takes seconds. I do not think that this is very likely to stop people from doing something to achieve the things they pray for. It makes them feel better and gives them the belief to have done something - but would they behave better if they did not have this feel? I do not think so - if I look at all the bashing against vegans and vegetarians by people who just cannot handle with their moral inferiority, I imagine people bashing against hungry children or their parents or whoever because they cannot handle with their inaction - I do not see more people really doing something about it. Praying keeps them quiet at least. To summarize this: Prayers do not do harm.

That is why I wonder: Why are these people so enthusiastic about telling other people that prayers are useless, and keep them from praying? I think I know the answer, and I am afraid I cannot tell it without at least slightly insulting them: It is because of arrogance. Where admittedly some modern atheists (like modern christians and jews) want to make the world better, and probably think that their belief is the best way to achieve this, they also know when to defer that discussion. Say, for example, when visiting a sickbed - an example given in the video.

I know I know, priests visit sick people. Priests pray with and for them. But priests do usually not visit deadly sick atheists to proselytize them. Usually. I am sure that some of them will do that, and I do not want to claim that this is any better. I mean there is a difference between telling somebody that if he starts praying now he will go to heaven (which is not quite correct, though, the actual belief was that you only slumber and will awake at the doomsday), and telling him that he is just a better machine and all of his personality will disappear with the rot of his brain, even though this is probably the sad truth. But a good minister must just have a feeling for what is the best for the person. And just because there may be theists which do these things does not give atheists any right to do the same - that wold be like saying that war crimes are a legit answer on war crimes.

So after all, this brainwashing video has no positive effekt. It takes hope away from people, especially sick people, hope that might help them, hope that cannot harm anyone. It does not give any alternatives to theism, nor does it imply any political consequences. It does not even criticize theism in any way, and not even science is really taken into full account. It is destructive, without giving any advantage. It makes the world worse.

The last sentences in the video are "It is time to point out that the superstition of prayer, like all superstitions, is silly. And it is time for us to end the fraud.".

Why? Would that make the world better? No! It is just to increase the penis sizes of the video's creators.

Just that nobody has a chance of misunderstanding me (though I am sure that some people will misunderstand me because they want - like people believe in prayers because they want). It is good to give arguments against theism, basing on what theistic leaders have done in history, even though I do not share the opinion (as pointed out above). It is good to criticize the influence of fundamentalist christians in, say, the USA, and the influence of christian corporations in Germany and Europe.

But producing a a brainwashing video, taking something away which has, even scientifically, a good influence on people who believe in it, without giving an alternative, is not good. In my opinion, it is evil.

Not evil in a theistic sense, there will probably not come any devil and burn you in hell for it. Evil in a purely atheistic sense.
Momentan gibt es ja immer wieder Diskussionen darum, daß (ob, wieviel, ...) bei einem Atomenergieausstieg die Energiekosten bzw. Strompreise steigen werden. Natürlich werden sie steigen. Aber was mich daran nervt, ist daß niemand daran denkt (bzw. wenige daran denken/darüber schreiben), daß sie auch ohne Atomenergieausstieg steigen werden. Denn zum einen leben wir in einem inflationsbehafteten Wirtschaftssystem, zum anderen verbrauchen wir zur Stromerzeugung zumeist endliche Ressourcen, die allmählich knapp werden. Und je knapper ein Rohstoff wird, desto teurer wird er verkauft. Darum sind die Energiekosten die letzten Jahre gestiegen und sie werden weiter steigen, sei es jetzt mit oder ohne Atomenergieausstieg. Nur werden sie meiner Meinung nach bei einem Verzicht auf Atomkraft kurzfristig (Größenordnung Jahre) etwas stärker steigen, mittelfristig (Größenordnung Jahrzehnte) etwas schwächer steigen und damit langfristig etwas billiger sein wenn wir jetzt auf Atomkraft verzichten. Stecken wir nämlich jetzt so viel Geld in die sogenannten regenerativen Energiequellen (ich finde den Ausdruck regenerativ nicht gut, sie regenerieren sich nämlich nicht und sind auch endlich, aber sie gehen halt erst in Jahrmilliarden zur Neige und nicht in Jahrzehnten) wie wir es mal vor vielen Jahrzehnten in die Kernenergie gesteckt hatten, wird die regenerative Energie billiger sein, als die Kernenergie momentan dargestellt wird, die nämlich langfristige Folgekosten hat (Endlagerung, Unfälle, ...) die momentan einfach beim Strompreis kaum mitgezahlt werden. Das einzige was langfristig eine Rolle spielen wird, ist wieviele Gebiete wir durch die Atomenergie verstrahlt bekommen (Tschernobyl, Fukushima, ... (Das an deinem Wohnort nächste Kernkraftwerk könnte der dritte Eintrag in dieser Liste werden)) und wieviel Müll wir zu verwalten haben. Und das Geld für die Entwicklung regenerativer Energiequellen müssen wir so oder so investieren, spätestens wenn Uran, Kohle, Öl, Gas, ... alle zur Neige gehen.

Also bietet meiner Meinung nach die Atomkraft (in der aktuellen Situation) eine Möglichkeit unter großem Risiko kurzfristig Geld zu sparen, das wir aber mittelfristig deutlich wieder mehr zahlen müssen.

Biosiegel-Blabla

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Ein Siegel für Essen mit "Ohne Gentechnik" - wtf? Ist es das was die Leute wollen? Nur damit ich das mal richtig sehe:

Keinen jucken überzüchtete Maissorten die die Erde unfruchtbar machen, keinen jucken überdüngte Felder die das Grundwasser verunreinigen, keinen jucken Pestizide, keinen jucken die desaströsen Zustände in Deutschen Kuh- und Schweineställen? Aber Gentechnik soll gefährlich sein?

Die Steuergelder die man für so ein Siegel ausgibt könnte man erheblich besser in sinnvolle Aufklärung investieren. Das Konzept des "Gens" ist nämlich für die meisten Menschen zu abstrakt als dass sie damit etwas sinnvolles anfangen könnten, und im Alltag kommen solch abstrakte Dinge selten vor.

Mir drängt sich oft der Eindruck auf, die Leute sehen in "Genen" irgendeine magische Entität die potentiell gefährlich ist, und magisch von allem besitzergreifen kann, das damit in Berührung kommt. Und diese Vorstellung ist erstmal völlig Kontraproduktiv.

Zwar bezeichnet "Gen" immernoch eine Basensequenz, die also materiell ist, aber der kruziale Teil des "Gens" ist nicht diese Sequenz, sondern die darin enthaltene Information: Letztendlich handelt es sich bei Genen primär um Software, und ich habe den Eindruck dass auch der Sprachgebrauch eher dahin geht, dass man mit "Gen" eher die Erbinformation selbst bezeichnet, als die Basensequenz. Ein Gen ist demnach nichts was man anfassen kann, nichts was man irgendwo hinstellen kann, nichts was man nicht auch per E-Mail verschicken könnte. Es ist damit insbesondere nichts das man zerstören kann, und nichts das für sich genommen in irgendeiner Weise gefährlich sein könnte.

Gefährlich kann ein Gen werden wenn es zur Expression kommt, wenn die Information also Anwendung findet. Die betreffende Pflanze wird daraufhin entsprechend des genetischen Codes eine Aminosäurensequenz, ein Protein, erzeugen, sie könnte beispielsweise Gift produzieren, oder so überresistent sein, dass sie alle anderen Pflanzen verdrängt. Die Möglichkeiten sind theoretisch vielseitig. Praktisch ist das aber eher unrealistisch. Realistischer ist ein Szenario das eine bestimmte Pflanzenart unbenutzbar (z.B. ungenießbar) macht, und durch jahrelanges nichteindämmen irgendwann die ursprünglich nutzbare Pflanzenart verdrängt, und damit potentiell den Rest des Ökosystems aus dem Gleichgewicht bringt, und da Ökosysteme chaotisch sind, kann das verheerende Folgen haben. Die meisten Eingriffe der Menschen in die Natur mit solchen Folgen sind aber letztlich aus Dummheit entstanden. So etwas passiert zum Beispiel, wenn man Menschen, deren einziges Ziel die Profitmaximierung ist, diese Möglichkeiten eröffnet.

Und realistisch betrachtet wird es genau darauf hinauslaufen: Irgendwelche Politiker werden sich lange genug zuschwallen lassen dass sie es für notwendig erachten, Gentechnik zu subventionieren, mit entsprechenden Garantien dass der Staat für alle Folgen aufzukommen hat, und Unternehmer werden daraufhin optimieren, genau die Risiken einzugehen, für die der Staat bürgt. Zumindest interpretiere ich so die Ereignisse um die Kernkraft, und sehe nicht, wieso sie nicht auch hierauf anwendbar sind. Ich halte die ganzen Anstrengungen der Lobbyisten rund um die Gentechnik in den USA für einen Versuch, das Patentrecht zu missbrauchen, und in Europa für einen Versuch, die Planwirtschaft um die Landwirtschaft herum zu brechen.

Ich bin dementsprechend erstmal klar gegen den breiten Einsatz von Gentechnik in der Nahrungsmittelproduktion, insbesondere in der sich anbahnenden Form. Ich sehe keine großartigen Möglichkeiten darin, ich halte das ganze Thema sowohl in positiver als auch in negativer Richtung für weit überschätzt. Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut muss für alle dadurch entstandenen Schäden aufkommen, und da es sich hier um etwas handelt, das potentiell sehr gefährlich ist, ist es durchaus rechtfertigbar, soweit in die Freiheit einzugreifen, einen Nachweis zu verlangen, dass die rechtliche Person dazu im Zweifelsfall auch in der Lage wäre - sollte man übrigens genauso bei Kernkraft machen, meiner Meinung nach.

Aber in Gentechnik sehe ich bei der Landwirtschaft irgendwie immernoch das kleinste Übel. Gentechnik ist eine Form des menschlichen Eingriffs in die Natur. Eine von Vielen. Man sollte eher die Gesamtheit im Auge behalten.

Übrigens wird Gentechnik unlängst zur Medizinproduktion verwendet, modernes Humaninsulin beispielswiese wird so hergestellt.