Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.
(Kurt Tucholsky)

So. Nun endlich dieser Blogeintrag, diesmal hoffentlich ohne Fehler:

Na das ist ja toll: vdLeyen will den Regelsatz für Hartz IV Empfänger um 5 Euro erhöhen. Eine ähnlich sinnvolle und wichtige Aktion, wie die Idee zur Umbenennung von Hartz IV. Sinnvoll investiertes Steuergeld, solche Ministerposten.

Viel sinnvoller vor Allem, als die zwanzig Euro, die für Tabak und Alkohol einberechnet werden sollten, soweit ich das in einer TV-Reportage mitbekommen habe. Und die nun gestrichen wurden (ich habe es wie immer bereuht ferngesehen zu haben).

Wie es sich für solche Reportagen gehört wurden auch gleich irgendwelche Leute von der Straße™ interviewt, was sie davon halten. "Ich sehe nicht ein, warum man Tabak und Alkohol braucht!", "Dann sollen sie arbeiten gehen, wenn sie sowas wollen!", waren sinngemäß die Kommentare. Denn zweifelsohne kann jeder Arbeiten, der arbeiten will. Und es darf ja auf keinen Fall sein, dass unsere Steuergelder für so etwas wie das Wohlbefinden von Arbeitslosen verschwendet werden.

Man stelle sich vor, wir geben Hartz IV Empfängern 20 Euro jeden Monat für Alkohol und Zigaretten. Hier steht, es gäbe 2010 6,7 Millionen davon. Das macht also 134 Millionen Euro.

134 Millionen Euro an wertvollen Steuergeldern - und das jeden Monat! In 3 Jahren könnten wir uns davon den Transrapid in München leisten. In nur 6 Jahren hätten wir das Geld auf das wir zugunsten der Energiekonzerne in den nächsten vier Jahren durch Abschmetterung der Brennelementesteuer verzichten damit wieder drin.

Nun, ähnliche Vergleiche las ich schon an mehreren Stellen, auch mit diversen Boni irgendwelcher Manager und Dergleichen. Trotzdem lässt sich natürlich nicht leugnen, dass diese 20 Euro im Monat insgesamt eine ganze Menge an Geld sind - aber eben auch nicht, dass es für den Einzelnen eigentlich ziemlich wenig ist. Ich kaufte mir neulich einen Wäscheständer - etwas elementares - der kostete 10 Euro, und war der Billigste den sie hatten. Billige Mülleimer kosten ähnlich viel.

Nehmen wir mal an ich laufe grade durch die Stadt und sehe eine Bäckerei - weniger als 2,50 zahlt man eigentlich für kein Item das es dort sinnvoll gibt, und manchmal hat man vielleicht Lust darauf. Vielleicht hat man aber auch einfach ein Kind das gerade gerne etwas daraus hätte. Wenn man sich das nur einmal die Woche leistet, hat man bereits im Monat 10 Euro weg.

Nein, 20 Euro sind für den Einzelnen nicht viel. Sie geben dem Einzelnen ein bisschen mehr Spielraum, ein paar Kleinigkeiten mehr zu haben. Bis zu 6,7 Millionen Menschen könnten sich also potenziell ein paar mal mehr eine Kleinigkeit leisten die ihnen ihr Leben, das bei vielen Hartz IV Empfängern augenscheinlich nicht immer nur rosig ist, ein wenig verschönert.

Natürlich muss man auch eine Grenze ziehen, irgendwann. Natürlich sind es immer "nur 20 Euro mehr", bei einem beliebigen Betrag. Es geht mir lediglich darum, welche Diskussion hier letztendlich geführt wird, und auf welche Weise. Die Frage, die man sich stellen muss, ist nicht, ob es gerecht sei gegenüber denen die eine Arbeitsstelle haben, sondern viel mehr, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der man sich solche Kleinigkeiten verdienen muss.