we do no longer have lisp machines. but we do have javascript machines.

Ja, so lauten die Plakate die jeden in den diversen Universitätsbibliotheken anlachen. Wertvolle Lernzeit sinnlos mit Google verschwendet. Nein, das geht ja mal garnicht.

Verschwenden Sie lieber Ihre Zeit mit den frickeligen Webinterfaces der Bibliotheken und Verlage. Deren Suchfunktionen funktionieren zwar - wenn sie nicht grad Google Custom Search verwenden - eher selten wenn man nicht ziemlich genau das eingibt wonach man sucht, aber dafür sind sie akademisch.

Außerdem reicht Google nicht aus, denn Google mag zwar häufiger das finden, was relevant ist, aber vieles davon steht unter ominösen Lizenzen und ist deshalb nicht für jeden herunterladbar. Wo kämen wir da auch hin, wenn Wissen frei zugänglich wäre - man bräuchte keine Verlage mehr, keine Bibliothekare, könnte keine Bücher mehr verbieten, könnte öffentlich alle Forschungsergebnisse diskutieren und anzweifeln, am Ende werden wie in Wikipedia irrelevante Sachen gelöscht, ein Alptraum, nicht nur für die Wirtschaftswissenschaften.

Nein, dieser ganze technische Bloat ist vollkommen nutzfrei. Nichts geht über die alphabetische Sortierung von uneindeutig benannten Zeitschriften, über versteckte Regale in dunklen Bibliothekskammern, über stinkende, vergilbte, schlecht kopierbare und noch schlechter lesbare alte Bücher.

Erst heute suchte ich nach einer Zeitschrift, die etwas älter ist. Die Bibliotheksseite zeigte mir an, dass meine Bibliothek sie haben müsste. Und so kroch ich zwei Stunden lang durch die Bibliothek bis ich schließlich aufgab und dort den Mitarbeiter fragte. Er fand immerhin ein Schild, auf dem der Name der Zeitschrift stand - die Zeitschrift selbst war nirgends, aber offenbar war sie mal irgendwo. Nachdem auch er nach einer halben Stunde aufgab sie zu finden, durch mehrere Regale gehend, meinte er, ich solle morgen nochmal kommen, so gegen 10 Uhr, da ist die Cheffin da, die wüsste sicher mehr.

Das ist jetzt mal viel besser als Google. Um totes Holz zu kriegen, mit dem ich kopierenderweise weiteres totes Holz konsumiere, muss ich um 9 Uhr aufstehen (zum Glück muss ich das morgen sowieso), um zu fragen, wo sich das betreffende tote Holz befindet. Das wird mindestens noch mal eine Stunde dauern, und es ist zweifelhaft ob die Zeitschrift vorhanden ist. Es ist natürlich auch nicht möglich, von vorne herein zu jeder Fachzeitschrift im EDV-System zusätzlich zu der vierstelligen nichtssagenden Nummer eine Regalnummer zu speichern, denn das wäre wieder zu sehr Google.

Nein, das nostalgische Fühl tagelang auf ein paar A4-Seiten Text zu warten, der Nervenkitzel, ob es denn klappt, und die Spannung, ob der Text letztendlich brauchbare Informationen enthält, das gehört irgendwie dazu. Diese Aspekte dürfen wir uns auf keinen Fall von irgendwelchen Googlern nehmen lassen.