if life gives you barf, make barfonade.

Nettes Video von Greenpeace (youtube-direktlink). Sehr gut gemacht, obwohl es manch Einer wohl zu plump oder offensichtlich findet, so denke ich doch, dass dieses Video die breite Masse erreichen kann. Sicherlich werden sich wieder ein paar Speziesisten aufregen dass man das Tiersterben ja nicht mit dem Menschensterben vergleichen könne, aber sowas ignoriere ich inzwischen.

Wie dem auch sei. Es ist ja nicht so dass diese Ölkatastrophe die Erste wäre, vielleicht die Erste diesen Ausmaßes, trotzdem passiert nichts was nicht schon mal dagewesen wäre. Es ist auch nicht so dass wir nicht vergleichbar verheerendere Katastrophen gehabt hätten, zum Beispiel Tschernobyl.

Vor allem ist es nicht so dass man diese Katastrophe nicht in spätestens 10 Jahren weitgehend vergessen haben wird. Leute werden umziehen, ein Haufen Schaden wird entstehen, ich denke so manch ein Geisterstrand. Nichts was der Mensch nicht wunderbar ausblenden kann. Ich sehe schon den Lobbyisten mit einem Foto von Blumen die wieder auf alten immernoch ölverschmierten Stränden wachsen umherfuchteln, so wie es jetzt mit Tschernobylpilzen gemacht wird.

Eigentlich schade, dass die Katastrophe nicht vor 8 Jahren stattgefunden hat. Damals war zumindest in Deutschland (eine nicht zu vernachlässigende Industrienation) die Stimmung in Richtung Umweltschutz noch stärker (damals hatte man auch noch Vertrauen in Rot-Grün), eine solche Katastrophe hätte den Lobbyisten vorerst den Todesstoß versetzt. Und heute?

Heute muss man sich darum bemühen, dass der Sozialstaat nicht komplett kaputtgespart wird, was soweit geht, dass man sogar schon bei der CSU Unterstützung findet. Selbstverständlich sind das alles Un-Probleme, Probleme die sich durch ein gerechteres Verteilungssystem lösen ließen. Genau wie die meisten kulturellen Konflikte. Trotzdem sind solche existenziellen Sorgen in den Gedanken der Menschen, an die Umwelt kann man höchstens noch mit ein wenig Anteilnahme denken.

Schuld ist ja sowieso immer jemand anderes. Die Sünder bei den Christen, die Religionen bei den Humanisten, der Kapitalismus bei den Sozialisten, und "die da oben" beim Pöbel.

Ich sage hier ganz deutlich: Ich bin schuld. Nicht alleine, aber zumindest trage ich eine Mitschuld, und die Tatsache, dass ich wohl kaum einen Menschen zu gesicht bekommen werde der keine Mitschuld trägt tröstet mich darüber nur bedingt hinweg. Freilich nicht schuld in dem Sinne dass ich einsehen würde für die Kosten™ aufzukommen, im Gegenteil, siehe unten. Doch ich habe letztendlich davon profitiert. Ich tippe diese Zeilen gerade auf einem Gerät ein das wohl zu einem Großteil aus Kunststoff gefertigt ist, der Erdölinhalte braucht. Dieses Gerät wurde mit der Gefahr erkauft, dass so eine Katastrophe geschieht, andernfalls gäbe es ein solches Gerät möglicherweise nicht oder es wäre erheblich teuerer. Sehr vieles in meiner Umgebung ist vermutlich aus solchen Kunststoffen, oder hat in der Produktion Erdölprodukte benötigt. Mein Wohlstand wurde mit der Gefahr erkauft, dass so etwas passiert.

Ich habe auch keine Ahnung was ich anders machen könnte, um dem Problem zu entgehen. Nun, ich höre trotzdem nicht auf zu tippen. Ich werde nicht meinen Echtholzfurnierschrank wegwerfen. Auch meine Uhr und mein Handy behalte ich. Ich habe keinen Grund sie wegzuwerfen. Ich wüsste nicht in welcher Form ich meinen Lebensstil so anpassen könnte dass es wenigstens im Kleinen irgendetwas nützt. Ja, ich werfe gewisse Dinge nicht weg, Plastiktüten sind zum Beispiel so etwas was bei mir sehr selten weggeworfen wird, ich trage nicht selten ein paar mit mir Rum falls mir spontan einfällt dass ich einkaufen muss. Doch zugegeben, die Menge der Plastiktüten steigt.

Was ich gerade verspüre ist wohl am ehesten kognitive Dissonanz. Dementsprechend versuche ich garnicht erst, Erklärungen oder Rechtfertigungen zu finden. Wie dem auch sei.

Ich sehe und sah nie im Umweltschutz der durch allzu großen Verzicht auf Wohlstand erzeugt wird etwas sinnvolles, und schon garnichts zukunftsträchtiges. Eher in dem Willen, zu versuchen, diesen Wohlstand anders zu erzeugen - was nicht gehen wird ohne die vorhandenen Mittel erst einmal zu verwenden. Immerhin bestehen die Plastiktüten inzwischen wenigstens aus PE.

Wie dem auch sei, wir sind Menschen, Primaten, also eine Haudrauf-Gesellschaft per Genetik. Man sollte BP meiner Meinung nach jetzt richtig bluten lassen, und wenn BP sich wehrt und mit Stellenkürzungen droht eine Zwangsverstaatlichung inklusive aller Anteile durchführen - mir eigentlich egal mit welchem Konzern man so vorginge, BP hatte halt das Pech dass es ihm so geht. Wenn ich mir einen Ofen baue und damit aus versehen das Dorf abfackle ist das auch mein Pech, und keine Versicherung wird mir den Schaden Zahlen, und kein Staat bevor er muss (und ganz sicher auch BP nicht). Mir sind die Großunternehmen alle gleich, mir geht es um die Statuierung eines Exempels, denn bei allem Respekt, ich glaube nicht dass es der Konzernleitung primär um den entstandenen Schaden geht, wenn sie sich an den Kosten beteiligen, sondern um Imagebereinigung. Manager und Belegschaft werden in andere Unternehmen unterkommen, ein Konzern wäre weg, die Lücke im Markt würde gefüllt werden. Ein Exempel, das alle anderen übrigen Unternehmen in Schrecken versetzt wäre viel wichtiger. Aber das wird nicht passieren.

Genausowenig wird es passieren dass die Menschen sich ändern. Das ist in den zweihunderttausend Jahren in denen sie wohl existieren nicht passiert.