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Ja was sind sie denn nun, die Piraten? Rechtsradikal? Linksradikal?

Ich glaube, das Problem ist eher, dass die Leute sie nicht einordnen können. Es sind Netzbürger, die sich vielleicht auch in Hardcoreforen wie 7lan *duck* herumtrieben. Und eine distanziertere Betrachtungsweise, die wohl teils auch aus den USA mit deren stärker ausgeprägter Meinungsfreiheit stammt, gewohnt sind.

Da rutscht es halt einem mal raus, dass man ähnlich schnell wie die NSDAP Stimmen gewann. Das mag ja sogar stimmen, ich bin ehrlichgesagt zu faul, das nachzuprüfen. Aber unabhängig davon, diese Aussage ist sinnlos aber in meinen Augen einfach nicht schlimm.

Da rutscht einem beim X-ten Wichtigtuer halt mal ein roflcopter gtfo raus, das man dann aus Versehen versendet, und immer noch freundlicher ist als "Etwas Besseres ist Ihnen wohl nicht eingefallen?".

Wie kann man nur dafür sein, dass Leute den Holocaust leugnen dürfen? Nun, ich war einst klar dafür, inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, aber weshalb man das glauben kann ist doch eigentlich offensichtlich: Wir brauchen kein Indiana Pi Bill. Wir müssen die Leute hinreichend gut bilden, dass sie wissen, dass der Holocaust stattgefunden hat, und warum es daran keinen Zweifel gibt, ein Verbot nützt nicht ewig etwas.

Hier kommt ein völlig neuer Ansatz: Selbst nachdenken. Die neue Aufklärung sozusagen. Sich mit einem Holocaustleugner unterhalten, sich seine Bedenken anhören, auf sie eingehen, und sie idealerweise öffentlichkeitswirksam widerlegen - kann sogar neue Erkenntnisse bringen.
Nun ist aber gerade der Holocaust so eine Sache, so ein wunder Punkt, den man in Deutschland vielleicht lieber in Ruhe lassen sollte. Nicht dass man hier am Ende noch die Büchse der Pandora öffnet. Deshalb bin ich mir inzwischen auch nicht mehr so sicher, und muss meine frühere Meinung teilweise revidieren.

Das ändert aber nichts an dem eigentlichen Problem. Ich glaube, das was der Presse momentan fehlt ist eine konkrete Angreifbarkeit der Piraten. Denn sie haben ein wenig von einer Strömung übernommen, die ich schon lange meine feststellen zu können. Ich nenne sie mal "Neutralradikal".

Gelebte Neutralität. Keine historisch begründete "politisch korrekte" Ausdrucksweise, wenn klar ist, dass das Gesagte nicht darauf bezogen ist - man darf sich "Pirat" nennen, weil man sich offensichtlich auf die fiktive Gestalt bezieht. Keine kulturellen Dogmen einfach hinnehmen, sondern sie hinterfragbar machen.
Sich auch mal trauen, zu etwas keine Meinung zu haben. Das ist nämlich etwas, zu dem Viele nicht den Mut haben. Man kann nicht alles wissen, also muss man auch nicht zu allem eine Meinung haben.

Ich denke es ist diese neue Form der Neutralität, die den Erfolg der Piraten zumindest mit ausmacht. Sie wird oft so interpretiert, als hätte die Partei kein Programm. Nun, sie hat eines, aber braucht sie das wirklich? Kann es nicht genauso sinnvoll sein, erstmal ein gemeinsames Ziel zu definieren, und sich darauf basierend zu überlegen, wie man es erreicht?

Fragen über Fragen. Vielleicht am Ende nur leere Floskeln, das wird die Geschichte zeigen. Ich denke, die Piraten werden keine Revolution auslösen; wie gut sie als Oppositionspartei sein werden und wie viele ihrer Ziele sie erreichen wenn sie erst einmal in der Regierung sind - wenn man davon ausgeht dass sie das jemals sein werden - bleibt abzuwarten. Aber sie setzen Impulse. Sie sind die Protestbewegung unserer Zeit.