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Bin ich gegen Abtreibungen? Oder Befürworter? Nun, so generell kann ich das nicht sagen. Besteht eine konkrete Gefahr für Leib und Leben der Mutter bei der Austragung des Kindes, so bin ich ganz klar der Ansicht, dass Abtreibungen erlaubt sein müssen. Gleiches gilt bei Vergewaltigungs-Schwangerschaften. Ansonsten bin ich skeptisch, wie sinnvoll es ist, einer trächtigen Frau vorzuschreiben ein Kind auf die Welt zu bringen, wenn sie das nicht will - für mich hat Leben zumindest keinen intrinsischen Wert, wenn es schon von Geburt an letztlich dazu Verdammt ist, ein Problemkind zu sein.

Dies gesagt habend komme ich auch gleich zum Thema, in diesem Taz-Artikel steht, das Verfassungsgericht habe entschieden, dass unter gewissen Voraussetzungen Abtreibungsgegner auch vor Abtreibungskliniken Flyer verteilen dürfen. Ich kann zur Rechtslage nichts sagen, ich sehe das aber sehr kritisch. Ich weiß nicht, inwieweit es realisierbar ist, dass Abtreibungsgegner vor einer Abtreibungsklinik Werbung machen, und gleichzeitig kein Spießrutenlauf für die betreffenden Frauen entsteht, was laut der Richter eine Voraussetzung sein sollte.

Doch darum geht es mir garnicht, es geht mir viel mehr um ein kleines Detail in diesem Artikel, nämlich dem Begriff "Babycaust", den die Abtreibungsgegner verwenden. Unter diesem Begriff findet man in Google und Forestle einige Webseiten, die unter Anderem von sich behaupten, sie würden von Suchmaschinen zensiert werden - was offensichtlich falsch ist. Ich möchte sie hier nicht verlinken, weil sie sehr Radikal klingen und ich das Risiko nicht eingehen will. Sie - und alleine der Begriff "Babycaust" - relativieren meiner Meinung nach den Holocaust.

Es scheint sich aber niemand darüber zu beschweren, wie es scheint ist es erlaubt, Konzentrationslager mit Abtreibungskliniken zu vergleichen. Nun, ich bin für uneingeschränkte Meinungsfreiheit, egal wie Dumm die Meinung ist. Unser Rechtssystem aber nicht, hat es doch vor garnicht so langer Zeit einen anderen Vergleich verboten, nämlich Peta's Kampagne "Holocaust auf dem Teller".

Der Speziesismus in unserer Gesellschaft geht also soweit, dass die vergleichsweise schnelle Tötung ungeborenen menschlichen Lebens, darunter zu einem großen Teil Leben von Zellhaufen deren Gehirne teils noch nicht einmal wirklich Schmerz empfinden können, mehr wiegt als das teils jahrelange, aber doch mindestens monatelange Leid von Millionen von Rindern, Schweinen und Geflügel, zum Beispiel in Mastanlagen.

Bei Konzentrationslagern geht es doch genau nicht nur um den Mord an Millionen von Menschen, es geht doch primär um die vorhergehende Qual, das Aushungernlassen, die medizinischen Experimente, die Zwangsarbeit, und natürlich auch die gezielte Erniedrigung. Nichts davon ist bei Abtreibungen gegeben.

Wer Abtreibungen Mord nennen will, der möge dies tun. Ich kann dieser Meinung nicht notwendig widersprechen. Genauso wie ich Fleischerzeugung Mord nenne. Soweit geht die Meinungsfreiheit in Deutschland. Aber lasst bitte die Nazikeule stecken.