So. Nun endlich dieser Blogeintrag, diesmal hoffentlich ohne Fehler:

Na das ist ja toll: vdLeyen will den Regelsatz für Hartz IV Empfänger um 5 Euro erhöhen. Eine ähnlich sinnvolle und wichtige Aktion, wie die Idee zur Umbenennung von Hartz IV. Sinnvoll investiertes Steuergeld, solche Ministerposten.

Viel sinnvoller vor Allem, als die zwanzig Euro, die für Tabak und Alkohol einberechnet werden sollten, soweit ich das in einer TV-Reportage mitbekommen habe. Und die nun gestrichen wurden (ich habe es wie immer bereuht ferngesehen zu haben).

Wie es sich für solche Reportagen gehört wurden auch gleich irgendwelche Leute von der Straße™ interviewt, was sie davon halten. "Ich sehe nicht ein, warum man Tabak und Alkohol braucht!", "Dann sollen sie arbeiten gehen, wenn sie sowas wollen!", waren sinngemäß die Kommentare. Denn zweifelsohne kann jeder Arbeiten, der arbeiten will. Und es darf ja auf keinen Fall sein, dass unsere Steuergelder für so etwas wie das Wohlbefinden von Arbeitslosen verschwendet werden.

Man stelle sich vor, wir geben Hartz IV Empfängern 20 Euro jeden Monat für Alkohol und Zigaretten. Hier steht, es gäbe 2010 6,7 Millionen davon. Das macht also 134 Millionen Euro.

134 Millionen Euro an wertvollen Steuergeldern - und das jeden Monat! In 3 Jahren könnten wir uns davon den Transrapid in München leisten. In nur 6 Jahren hätten wir das Geld auf das wir zugunsten der Energiekonzerne in den nächsten vier Jahren durch Abschmetterung der Brennelementesteuer verzichten damit wieder drin.

Nun, ähnliche Vergleiche las ich schon an mehreren Stellen, auch mit diversen Boni irgendwelcher Manager und Dergleichen. Trotzdem lässt sich natürlich nicht leugnen, dass diese 20 Euro im Monat insgesamt eine ganze Menge an Geld sind - aber eben auch nicht, dass es für den Einzelnen eigentlich ziemlich wenig ist. Ich kaufte mir neulich einen Wäscheständer - etwas elementares - der kostete 10 Euro, und war der Billigste den sie hatten. Billige Mülleimer kosten ähnlich viel.

Nehmen wir mal an ich laufe grade durch die Stadt und sehe eine Bäckerei - weniger als 2,50 zahlt man eigentlich für kein Item das es dort sinnvoll gibt, und manchmal hat man vielleicht Lust darauf. Vielleicht hat man aber auch einfach ein Kind das gerade gerne etwas daraus hätte. Wenn man sich das nur einmal die Woche leistet, hat man bereits im Monat 10 Euro weg.

Nein, 20 Euro sind für den Einzelnen nicht viel. Sie geben dem Einzelnen ein bisschen mehr Spielraum, ein paar Kleinigkeiten mehr zu haben. Bis zu 6,7 Millionen Menschen könnten sich also potenziell ein paar mal mehr eine Kleinigkeit leisten die ihnen ihr Leben, das bei vielen Hartz IV Empfängern augenscheinlich nicht immer nur rosig ist, ein wenig verschönert.

Natürlich muss man auch eine Grenze ziehen, irgendwann. Natürlich sind es immer "nur 20 Euro mehr", bei einem beliebigen Betrag. Es geht mir lediglich darum, welche Diskussion hier letztendlich geführt wird, und auf welche Weise. Die Frage, die man sich stellen muss, ist nicht, ob es gerecht sei gegenüber denen die eine Arbeitsstelle haben, sondern viel mehr, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der man sich solche Kleinigkeiten verdienen muss.

Thats what I always think when seeing that kind of movies.

In der Taz findet man diese Tage einen netten Artikel zu einer Beurteilung der Stiftung Warentest, die da sagt, die Industrie habe "den Blick für die Würde der Tiere verloren".

Ich frage mich jedoch, welche Würde damit gemeint sein soll. Man faselt an diversen Stellen immer wieder mal von der Würde aller Kreaturen, aber wirklich festgeschrieben ist sie nirgends. Und Unantastbar, oder wenigstens nur dann wenn es sich nicht vermeiden lässt antastbar, auch dem ist nicht so. In Deutschland ist es wenigstens nicht erlaubt, Tieren mehr Leid zuzufügen als notwendig. Doch Notwendigkeit ist ein dehnbarer Begriff.

Wenn man ein paar cent mehr für Zigaretten, Bier und Boulevardzeitung übrig hat, kann man sich diese jedenfalls schnell herbeiargumentieren.

Wie die meisten seiner Einträge hat mich dieser Eintrag auf Fefe's Blog sehr in Erstaunen versetzt. Er verlinkt auf den SWR-Artikel "Wie die Bundesregierung sauberen Strom aus Norwegen blockiert"

60 Atomkraftwerke könnte demnach Norwegen ersetzen durch Wasserkraft, der Strom wäre angeblich ein Drittel billiger, dazu bräuchte man Kabel von Norwegen nach Deutschland, ein solches wird zwar geplant, aber fällt nicht unter die Kraftwerksnetzanschlussverordnung und würde somit abgewürgt wenn Kraftwerke zu viel Strom erzeugen.

Das klingt alles ziemlich plausibel. Trotzdem stellen sich mir einige Fragen:

Zum Einen klingen 60 Atomkraftwerke nach relativ viel. Und wieso kann gerade Norwegen das so gut, was ist an Norwegen anders als an z.B. Schweden?

Dann frage ich mich, wieso kann man an so ein Kabel - als Workaround - nicht ein lokales Pumpspeicherkraftwerk bauen, das den Strom so lange speichert? Und wieso ausgerechnet nach Deutschland, kann man das nicht auch nach Dänemark verlegen? Könnte man es von dort aus dann nicht sinnvoll verteilen? (Ich bin mir sicher die Dänen würden sich freuen Knotenpunkt bei sowas Wichtigem zu sein, sollte ja auch denen ein wenig Geld bringen.)

Und dann bleibt natürlich die Frage, wie der Minister seine Blockadehaltung rechtfertigt. Und vor Allem, wieso diese Information sich nicht weiter verbreitet? Und vor Allem, wieso in zwei Legislaturperioden Rot-Grün niemand daran gedacht hat, das Gesetz zu ändern.

Fragen über Fragen. Wenn ich gerade Zeit hätte, würde ich dem vielleicht nachgehen. Für den Moment warte ich einfach die Entwicklung ab. Ich bin mir sicher, die nächste Regierung aus dem linken Spektrum kommt bestimmt, und wird sich vermutlich dieser Probleme annehmen. So lange kann es auch noch warten.

Most modern browsers have an option for "private browsing". A nice feature, and its no secret that it has mainly been introduced for watching pr0n, though I am also using it for online-banking and if I have to use websites like ebay or msn, on which a lot of unwanted cookies are needed.

Well, this functionality mainly has the purpose of increasing the privacy. Since private data evolved to some sort of currency on the internet, there also evolved an arms race between customers and companies about it.

With people not willing to accept that they also have to use software outside their browsers, new "Web Technologies" evolved, which allow to get information about the websites users visited, about their interests, and so on.

I remember some hack that allowed to determine whether a link was already visited, similar to http://didyouwatchporn.com/, but without javascript, i.e. even with NoScript enabled. Unfortunately, I lost the link.

Then there is https://panopticlick.eff.org/, which creates a "browser fingerprint", which can be quite unique, especially when you care about privacy and therefore configure your browser. Using this technique, with a proper database-backend one can supplement a lot of functionality of cookies.

And then today I read about Evercookie (via), which tries to combine all of the "technologies" evolved (plus some additional ones) to really create persistent data. It even seems to use the browser cache for that purpose, caching images.

Well, it is an arms race. I am pretty sure, since this is open source, companies will start to use it - maybe not the same code, but it shouldnt cost too much to rebuild it. In my opinion, the most important thing would be to enlighten the users.

Then, the question is, what can be done on the technical side.

How about some sort of "cookie chroot"? Having more than one private mode at once. Having them persistent. But taking care that links outside that webinterface are opened in another "chroot".

Clearly, this is hard to implement, and the companies will find their way to deal with it, making it harder to rewrite external links - but at least it would be a start.

Its bloated, its old, it has only few common modern extensions, it can run code from the 1960s. Things that can be said about Common Lisp. I already heard people recommend to "forget about Common Lisp" and use one of the shiny (new) other lisp dialects.

Still, I prefer Common Lisp to others.

Well, firstly of course, the mighty object system, the CLOS, is one reason for me to do. Few other languages have an object system so versatile and still so easy to deal with, and so well-optimized. I saw QT implementing its own C++-Preprocessor to have proper signal-passing-mechanisms, and the GLib doing similar things programmatically. Well, CL has it.

And one reason why I prefer it especially to Clojure: It encourages functional programming, but does not try to enforce it. Sometimes, a statefull loop is the easiest way to express something. Purely functional programming is - in my opinion - useful when I want to have formally verified code using strong type-systems, because thats something I am willing to put more effort into. And of course, good functional code can look pretty. But I dont share the ideology of everything having to be functional without any further use.

Well, with purely functional programming, there is a major lack of Common Lisp: When really programming purely functional, lazy evaluation is something desirable (its also desirable in other situations). There are some projects trying to implement lazy evaluation, but of course thats extremely hard without having to re-implement half of the language. Maybe that one will stay a lack of CL. But maybe not. At least lazy lists are not a real problem.

Something similar to this problem are continuations which also appear to be hard to implement - but there is a library, called cl-cont, which has some minor limitations but works.

For a larger community, the main problem of Common Lisp, I think, is the lack of libraries. With the many new "standards" that evolve every day, with the many new programming libraries doing magic that is not portable, it is hard to stay up to date. The IT-World changes every day, so software that isnt maintained will soon be deprecated.

And here is the one major advantage of Common Lisp: It is a stable standard. This is sometimes criticized, but in my opinion, thats a major advantage. Common Lisp offers a lot of high-level and low-level-features, there is one CL for almost every platform, and still its a standard that has been stable for a long time and is not likely to change.

But even though the ANSI-Standard hasnt changed, there are a few extensions that are de-facto-standards which are supported by vitally every implementation. For example gray-streams, the metaobject protocol and the common foreign function interface. And there are some portable libraries for threads, weak references, file access and sockets.

Any of these extensions defines as much as necessary, but not more. Most features that one may want can be implemented by the mighty macro system. Just today, I read about a new project "SPARK" on reddit - well, some nice ideas, and I hope that this project will achieve its aims (but to be honest, I doubt it). One idea mentioned is special syntax for regular expressions - something that can also be done comparably easy in Common Lisp, using reader macros.

Maybe also a major problem of Common Lisp: You can do almost everything. Therefore, there is no need for extending the standard, which is why some API-designs appear very old-fashioned.

But I prefer stable old-fashioned but sufficient API to API that constantly changes.

Man hört und liest momentan ja ziemlich viel von Thilo Sarrazins Buch. Letztens sah ich es nun in einem Bücherregal in einer Buchhandlung. Ich kaufe meine Bücher normalerweise bei Amazon, dementsprechend bin ich selten in Buchhandlungen.

Das Buch interessiert mich eigentlich nicht im Geringsten, was man so hört ist es ein Trollwerk, aber ich kann es nicht beurteilen, denn ich habe es nicht gelesen und ich habe auch nicht vor es zu lesen. Angeblich macht er Aussagen über genetische Vererbung von Eigenschaften, und macht einige sehr kontroverse Aussagen, die man eher vorsichtig machen sollte.

"Das wird man doch wohl noch sagen dürfen", so unterstützt die Bildzeitung einige Aussagen von ihm. Und wie es scheint sind die Bildleser ganz Hin und Weg, und würden eine Partei die er gründet sofort wählen. An anderer Stelle wird er für seine Aussagen heftig kritisiert.

Ich vermute, dass trotzdem kaum Einer sein Buch gelesen hat. Ich sehe da zum Einen Leute die vermutlich kaum die Bild-Zeitung lesen können, geschweigedenn ein Buch das vermutlich in Hochsprache geschrieben ist, und Leute die auf den SPD- und Politiker-Bashing-Zug aufspringen wollen weil sie sich damit besser vorkommen.

Und ich? Ich bemühe mich diese Vorkommnisse zu ignorieren. So ganz gelingt es bei diesem Medienrummel nun aber doch nicht. Und ich finde es durchaus erschreckend, wie leicht es anscheinend ist, einen Mob von Leuten hinter sich zu vereinen.

Angeblich soll es um "Intelligenzgene" gegangen sein - ich kann es wie gesagt nicht sagen, ich hab das Buch nicht gelesen, aber zumindest die Öffentlichkeit hat teils darüber diskutiert, unabhängig davon. Nach meinem aktuellen Wissensstand, der nun aber auch schon ein paar Jahre alt ist, ist die Obergrenze der Erblichkeit von Intelligenz mal auf 30% festgelegt worden - das heißt mindestens 70% sind Erziehung (woher auch immer diese Zahlen kommen mögen), und 30% war nur eine Obergrenze, das heißt man konnte nicht zeigen dass es weniger sind. Das heißt, mit guter Erziehung kann man einiges an genetischen Defiziten ausgleichen - aber auch einiges vermurksen.

Und dieses Vermurksen ist, wie ich meine, das, was eigentlich das Hauptproblem darstellt: Die Verdummung der Bevölkerung. Vielleicht wäre das, was wir brauchen, ein radikaleres Bildungssystem, das als klares Ziel hat die Intelligenz der Bevölkerung zu maximieren.

Denn zumindest für mich ist klar: Das Letzte was wir brauchen sind mehr "Arbeiter" und "Praktiker", was wirklich mal notwendig wäre, wären mehr Leute, die Dinge die sie sagen möglichst weit durchdenken, anstatt bei jedem längeren Gedankengang der keine offensichtlichen Fehler hat sofort ihre Fresse aufzureißen, und zu versuchen, diesen in ein Gesetz zu gießen. Damit würden dann vielleicht wirklich Probleme gelöst.

Just erhielt ich einen Kommentar auf meinem alten Blog. Ich habe einen offensichtlich ironischen Artikel dazu geschrieben, warum man Atomkraft nicht abschaffen sollte. Ein Kommentator war ziemlich dumm und hat das nicht verstanden, ein anderer war weniger dumm hat es aber offenbar auch nicht verstanden, das nahm ein Atomkraftbefürworter zum Anlass, sich negativ über Atomkraftgegner auszulassen.

Nun, ich bin ein Atomkraftgegner, zumindest momentan. Und ich behaupte zwar nicht, dass ich besonders schlau wäre, aber auf dem Niveau des besagten Kommentators will ich mich nicht befinden.

Jetzt könnte also ein Zweifler die Existenz von Atomkraftgegnern mit denen man nicht verglichen werden will also als Anlass nehmen, für Atomkraft zu sein. Nun, es gibt durchaus auch Atomkraft-Befürworter, mit denen ich nicht verglichen werden will. Diese sind für mich aber kein Argument gegen Atomkraft.

Das Problem ist ein Generelleres: Die Atomkraft-Gegenbewegung ist nach wie vor eigentlich eine kleine, alternative Bewegung, die sich gegen das Establishment stellt. Sie bekam durch Tschernobyl ein wenig Aufwind, hier war eine Angst in der Bevölkerung gegeben, aber das ist jetzt mehr als zwei Jahrzehnte her - auch die Gegner von Ölbohrinseln bekamen aktuell Aufwind, auch das wird sich schnell wieder legen.

Es handelt sich hier jedenfalls um Überzeugungen von Minderheiten, die sich gegen das Establishment stellen. Überzeugungen, für die man nicht viel Verstand braucht, um für sie einzutreten, da das Ziel einfach ist und im Grunde jedem plausibel gemacht werden kann.

Sucht nun ein weniger verständiger Mensch nach einer Erfüllung seines Lebens, die ihm Anerkennung in irgendeiner Form bringt, so ist es nur plausibel, dass er sich, wenn er auf sie trifft, auf eine solche Gruppe einlässt. Sie richtet sich gegen das Establishment - man hat viele Feinde. Sie ist eine Minderheit - man muss sich innerhalb der Gruppe nur gegen Wenige behaupten, erreicht also einfacher einen hohen Status, und kann sich gleichzeitig dem Rest der Bevölkerung überlegen fühlen.

Ich vermute zwar, dass es bei Anhängern etablierter Meinungen genausoviele Menschen dieser Sorte gibt, aber sie kommen eben nicht so oft zu Wort.

Ich halte es jedenfalls für gefährlich, Ansichten nach deren Anhängern zu beurteilen. Ich rede bewusst von Ansichten - nicht von Parteien oder Vereinen. Vielleicht ist es bei Themen wie Atomkraft nicht gefährlich, denn selbst wenn es ein Reaktorunglück geben sollte, wäre das nicht das Ende unserer Gesellschaft (nur der qualvolle Tod eines beträchtlichen Teils davon und die Steigerung des Risikos diverser Krankheiten). Aber beim Rechtsextremismus sehe ich zum Beispiel die Gefahr: Er wird oft deshalb verurteilt, weil die Menschen die ihm angehören oft in der Öffentlichkeit ein ziemlich assoziales Bild abgeben. Diese Art der Argumentation ist aber nicht nachhaltig.

Selbst nachdenken ist das Wichtige.

Ich verzichte bewusst auf eine Auseinandersetzung mit dem Thema Atomkraft. Es geht hier um etwas viel Grundsätzlicheres.

Was für ein netter Artikel in der Zeit. für den ich da zwanzig Minuten meiner begrenzten Lebenszeit versch sinnvoll investiert habe

Ein Artikel der sich mit einem einigermaßen aktuellen Thema zu beschäftigen versucht, der Beziehung zwischen Atheismus und Theismus. Schon das Vorwort verspricht großartiges. Am Vorwurf, Atheisten sei nichts heilig wäre etwas Wahres, und trotzdem alles falsch.

Es folgt eine lange Aufzählung von Zitaten, wobei es scheint dass zu jeder getroffenen Aussage auf einer vorderen Seite eine gegensätzliche Aussage auf einer hinteren Seite des Artikels folgt, und jede getroffene Aussage mindestens einen Absatz später relativiert wird.

Dies kann zur Ablehnung des Artikels bei manch einem Leser führen, nicht umsonst, denn hier wird eine Bindung gelöst, die sehr wichtig ist, die Bindung zum Sinn. Wenn mit dem Artikel die Bindung zum Sinn gebrochen wird, stellt sich die Frage, was das bedeutet: Das Ende des Sinns?

Welchen Sinn solche Artikel haben, interessiert noch aus weiteren Gründen. Immerhin dürften drei Viertel der deutschen Bevölkerung solche Artikel regelmäßig lesen, und da wäre es einigermaßen beunruhigend, wenn sie eine Ersatzmeinung annehmen würden, etwa dem, dass Argumente die sich nicht gegenseitig widersprechen einem Text mehr Sinn gäben.

Die Frage nach dem Sinn und Unsinn ist auch deswegen wichtig, weil sie das Verhältnis zwischen Journalisten und Nichtjournalisten betrifft. Allein schon um des Erhaltes der alten Medien, der Stammtischphilosophenkultur und der Kultur der labernden Sozialkundelehrer Willen muss der Graben zwischen beiden Gruppen ausgelotet werden.

Ein Journalist sieht im Sinn teilweise das Problem eines Textes, denn der Sinn würde den Text angreifbar machen, während ein Text ohne Sinn aber mit vielen Zitaten von anerkannten Persönlichkeiten kaum angreifbar ist, oder wie es Leibniz ausdrückte "das Nichts ist einfacher und leichter als ein Etwas".

Man stelle sich vor, man stehe auf einer Autobahn im Stau und lese Zeitung, und liest einen Artikel, und sucht dessen Sinn. Plötzlich merkt man, dass auf die aktuell gelesene Seite eine neue Seite folgt, in der der Sinn folgen könnte. Und auf diese nächste Seite könnte wieder eine Seite folgen, die erst den Sinn beinhaltet. Und das immer so weiter. Jetzt stelle man sich - Gott bewahre - einen unendlichseitigen Artikel vor. Jede Seite verweist für den Sinn auf die nächste, bis ins Unendliche, doch keine ist wirklich der Träger des Sinns.

Das Problem solcher Argumente ist, dass sie regelmäßig scheitern. Deshalb lehnen viele moderne Journalisten rationale Gedankengänge inzwischen ab. Wolle man sinnvolle Artikel produzieren, dann hätte die Ausübung des Journalismus irgendwelche Voraussetzungen - aber dann könnten die wichtigsten Zeitungen kaum noch existieren.

Wenn jemand einen Sinn verbreiten will, muss er idealistisch sein. Wenige Journalisten erwecken diesen Eindruck. Etwa die freien Journalisten, die nebenher auch Bloggen. Die meisten Journalisten von Heute indes sehen keinen Sinn darin.